Der Räuber Hotzenplotz

Der Räuber Hotzenplotz. Jetzt treibt er’s richtig bunt!

Anlässlich seines 50. Geburtstages bekam der Räuber Hotzenplotz ein farbiges Gewand. Die ursprünglich schwarz-weißen Illustrationen wurden koloriert. Das war eine sehr schöne und spannende Aufgabe. Wie es dazu kam und wie es gemacht wurde, lesen Sie im nachfolgenden Interview, welches Svea Unbehaun vom Thienemann Verlag mit mir führte.
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Geschichten-Werkstatt

Wie der Räuber Hotzenplotz farbig wurde

Endlich hat der Kasperl eine rote Mütze und Herr Dimpfelmoser eine blaue Polizeiuniform bekommen, denn die schwarz-weißen Illustrationen der Bücher wurden von Mathias Weber liebevoll vierfarbig koloriert (oder ausgemalt wie seine Töchter gnadenlos feststellten). Wie? Das erzählt Mathias Weber in diesem Interview.

Lieber Herr Weber, was dachten Sie, als der Thienemann Verlag Ihnen anbot, die Kolorierung der Preußler-Klassiker zu übernehmen?

Ich war natürlich überaus glücklich. Schließlich handelt es sich beim „Räuber Hotzenplotz“ um einen Klassiker der Kinderliteratur und wann hat man schon mal die Gelegenheit an so einem Werk mitzuwirken. Ich bin mit den Büchern von Otfried Preußler groß geworden und meine beiden Töchter hören oder lesen den „Räuber Hotzenplotz“ heute genauso gerne wie ich damals. Preußlers Bücher sind wichtig und immer noch aktuell, wobei ich den „Räuber Hotzenplotz“ als zentrales Werk ansehe. Und daran arbeiten zu dürfen ist einfach nur toll. Wobei meine Töchter gnadenlos festgestellt haben, dass kolorieren nichts anderes bedeutet als auszumalen und somit dafür sorgten, dass ich nicht abhebe. Wobei ich mit den Zeichnungen von F.J. Tripp schon ein wirklich grandioses Malbuch hatte!

Wie viele Illustrationen umfasste die Arbeit? Wie lange haben Sie dafür gebraucht?

Die Arbeit umfasste alles in allem ungefähr 250 Illustrationen. Von kleineren Vignetten, halbseitigen Bilder bis hin zu großangelegten „Panoramen“. Mit Vorstudien, Besprechungen und Korrekturen habe ich ungefähr 4 Monate daran gearbeitet.
Für die ganzseitigen Bilder brauchte ich ungefähr einen Tag pro Bild. Kleinere Bilder und Vignetten schafft man auch schon drei bis vier pro Tag. Aber alles in allem waren es „Hotzenplotz intensive“ Monate.

Welche Technik haben Sie angewandt?

Gewünscht wurde ja ein etwas kräftigerer und farbenfroher Stil, ähnlich den Bildern, die ich für die Bilderbuchreihe „Jim Knopf“ mache. Das Problem beim „Hotzenplotz“ war aber, dass hier die Zeichnungen schon vorlagen und keine neuen Motive entwickelt werden sollten. Das bedeutete für mich, dass ich meine „Jim-Knopf-Technik“, ein Materialmix aus Wachskreide, Buntstift und Gouache, nicht anwenden konnte, da der dichte Farbauftrag ansonsten die Originalzeichnugen überdeckt hätte. Und jede Zeichnung nachträglich nachzeichnen geht nicht. Es kamen also nur Aquarell oder eine Kolorierung am Computer in Frage. Da die Originale von F.J. Tripp als Daten vorlagen, entschied ich mich für die Arbeit am Computer. Letztlich ist dies nicht groß anders als das herkömmliche Zeichnen, ist der Computer doch auch nur ein Werkzeug und ersetzt nicht die kreative Arbeit.

Welche Herausforderungen haben sich ergeben?

Eigentlich war die größte Herausforderung, den Überblick nicht zu verlieren und eine gewisse Kontinuität innerhalb der Bilder zu erhalten. Zwischen den Erscheinungsjahren der drei Original-Bücher liegen etwa zehn Jahre, innerhalb derer sich der Stil von F.J. Tripp immer wieder leicht verändert hat. Die Figuren und Bilder wurden feiner und detaillierter, kleine Details variierten oder verschwanden gar. Und ich musste darauf achten, dass eine einmal festgelegte Farbigkeit, wie z. B. für Kasperls Hose, über alle drei Bände hinweg gleich bleibt.

Welche Bilder haben Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Bei allen Bildern hat es Dinge gegeben, die sehr viel Spaß gemacht haben und auf die ich mich gefreut habe. Manche Bilder erforderten etwas mehr Geduld, wie z. B. die verwüstete Räuberhöhle. Da gab es einfach unheimlich viele Details, welche alle berücksichtigt werden wollten. Die großen Landschaften waren auch sehr schön zu malen, denn das ging über das einfache Ausmalen hinaus.

Hatten Sie Kontakt zu Otfried Preußler persönlich?

Kontakt zu Herrn Preußler persönlich hatte ich leider nie. Allerdings war er in alle Entscheidungen stets mit einbezogen. Seine Tochter Susanne Preußler-Bitsch habe ich kennenlernen dürfen und öfters bei Besprechungen im Verlag getroffen, so dass immer ein sehr persönlicher Kontakt zur Familie Preußler bestand. Was mich sehr gefreut hat, war ein von Herrn Preußler persönlich signiertes Exemplar des „Räuber Hotzenplotz“ mit der Anmerkung, dass er und der Herr Hotzenplotz sich sehr über das neue farbige Gewand freuen. Das lag eines Morgens bei mir im Briefkasten.

 

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